Jubiläumsveranstaltung
Vom örtlichen „Darlehnskassenverein“ zur regionalen Universalbank
„125 Jahre mitten im Leben. Für die Menschen in unserer Region“ – unter diesem Motto stand die „Geburtstagsfeier“ der Volksbank Ahlen-Sassenberg-Warendorf, die am 13. Februar in der Stadthalle Ahlen in einem stimmungsvollen Rahmen gefeiert wurde. Ein dichtes Programm wartete dort auf die rund 400 Mitglieder und Gäste der Volksbank. Die 125-jährige Erfolgsgeschichte der Bank ließen die beiden Bankvorstände Dieter Ritter und Paul-Ludwig Rosche Revue passieren.
Ein weiterer Höhepunkt der Festversammlung waren die Spendenübergaben an die Aktion „Lichtblicke“, die Hospizbewegung im Kreis Warendorf und den Hospizverein für die Stadt Warendorf. Das kabarettistische „Sahnehäubchen“ auf das rund dreistündige, höchst unterhaltsame Programm lieferte Christoph Brüske in seinem Parforceritt durch das aktuelle Geschehen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ab. Die Gäste honorierten das alles mit viel Beifall.
In der vom Moderator Frank Haberstroh geleiteten lockeren Interviewrunde mit Vorstand und Aufsichtsrat schilderten die Bürgermeister Benedikt Ruhmöller (Ahlen), Josef Uphoff (Sassenberg) und Jochen Walter (Warendorf) die positiven Aspekte und Perspektiven durch die Volksbank für die drei Ortsteile. Mit Blick auf die aktuellen Turbulenzen an den Märkten bezeichnete Landrat Dr. Olaf Gericke die Volks- und Raiffeisenbanken als „Gewinner der Krise“. Für die 600 genossenschaftlichen Unternehmen zwischen Porta Nigra und Porta Westfalica gratulierte Abteilungsleiter Dr. Thorsten Weiland vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband (RWGV) der Jubiläumsgenossenschaft. Im Namen der WGZ-Bank in Düsseldorf wünschte Direktor Christoph Feil der Volksbank weiterhin alles Gute. Das genossenschaftliche Prinzip bewähre sich gerade jetzt mehr denn je als Erfolgsmodell, darin waren sich alle Gesprächspartner einig.
Gründungstag 17. Februar 1884
Der Kalender schrieb seit wenigen Wochen das Jahr 1884. Damals, am 17. Februar, bot das Ahlener Gesellenhaus gerade noch ausreichend Platz für die 30 Persönlichkeiten, die sich entschieden hatten, ihre Geldgeschäfte künftig selbst in die Hand zu nehmen. Sie wollten angesichts der wirtschaftlichen Not ihre eigene Bank – und sie bekamen sie: Sie gründeten den „Ahlener Spar- und Darlehnskassenverein“. Die heutige Volksbank Ahlen-Sassenberg-Warendorf war geboren.
Für den Plan, eine eigene Bank in der Rechtsform einer Genossenschaft zu gründen, gab es Vorbilder wie Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der den Genossenschaftsgedanken („Selbsthilfe, Selbstver-antwortung, Selbstverwaltung”) seit Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreich propagierte. Am 15. Oktober 1882 hatte Raiffeisen auf Einladung des Westfälischen Bauernvereins auf dessen Generalversammlung in Münster einen Vortrag über die von ihm im Rheinland gegründeten „segensreich wirkenden“ Darlehnskassen gehalten. Raiffeisen sprach sich darin für einen möglichst kleinen Vereinsbezirk, eine unentgeltliche Verwaltung und einen Dividendenverzicht zugunsten des Vereinsvermögens aus. Der Bauernverein nahm die-se Vorschläge begeistert auf. In jedem Dorf sollte ein Spar- und Darlehnskassenverein entstehen.
Unterstützt wurde die Gründung der ersten westfälischen Genossenschaften vom Anwalt der Neuwieder Genossenschaftsorganisation, Martin Fassbender. Fassbender besuchte von Münster aus in den Jahren 1883 und 1884 zahlreiche Orte, in denen er mit den Multiplikatoren vor Ort – meist Lehrer und Geistliche – die Notwendigkeit einer Kreditgenossenschaft vor Ort besprach und Vorträge über die neue Art von Kreditinstituten hielt. Die Gründung in Ahlen war also sorgfältig vorbereitet, und genauso sorgfältig nahm die junge Vereinigung ihre Tätigkeit auf.
Kontinuität bewies der Ahlener Spar- und Darlehnskassenverein bereits in der ersten Phase seines Bestehens. Denn sein erster Rendant – so nannte man damals die Bankvorstände -, der Ahlener Industrielle Stephan Nahrath, war von der Gründung im Jahr 1884 an bis in das Jahr 1922, also über 38 Jahre, für die Geschäftsführung verantwortlich. In diesen Jahren erlebte der Spar- und Dar-lehnskassenverein trotz der politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten eine stabile und ruhige Entwicklung.
Nicht nur reine „Bauernkasse“
Das Engagement eines der führenden Ahlener Industriellen zeigt aber auch, dass die Spar- und Darlehnskassenvereine nicht nur reine „Bauernkassen“, wie umgangssprachlich heute noch zu hören, waren. Auch Arbeiter und Angestellte konnten ihre Einlagen sicher verwahren und als Mitglieder des Spar- und Darlehnskassenvereins Kredite erhalten. Dem einen oder der anderen wurde so mit einem Kredit für ein Fuhrwerk oder eine Nähmaschine auch der Weg in die ökonomische Unabhängigkeit geebnet.
Weniger als Konkurrenz denn als Ergänzung war die Gründung der Volksbank Ahlen eG im Jahr 1886 zu verstehen – ein Institut, das nach Vorstellung von Hermann Schulze-Delitzsch, neben Raiffeisen der zweite Vater des deutschen Genossenschaftswesens, vor allem die Gewerbetreibenden mit Krediten unterstützen wollte.
Auch in Warendorf war es ein Geldinstitut im Sinne von Schulze-Delitzsch, das am Anfang der Geschichte der lokalen Kreditgenossenschaften stand. Die Gewerbetreibenden erhofften sich mit der Ende 1889 gegründeten Warendorfer Kreditbank einen Aufschwung des Wirtschaftslebens, denn Handel, Gewerbe und Industrie waren in der Stadt des preußischen Landesgestüts nur bescheiden ausgeprägt.
Strenge Maßstäbe bei Kreditvergabe
Maßgeblichen Anteil am Aufbau der Warendorfer Kreditbank besaßen Bürgermeister Wilhelm Diederich, der Färbereibesitzer und Lederfabrikant Hermann Stemmer und Justizrat Julius Blumberg. Die Akten der damaligen Kreditbank bieten einen interessanten Einblick in die Verfahren zur Kreditvergabe: So wurde bereits bei Eintritt in die Genossenschaft der Kreditrahmen jedes einzelnen Mitglieds abgeschätzt, eine höhere Kreditvergabe war nicht möglich. In den Anfangsjahren wurden alle Kredite als kurzfristige Darlehen vergeben. Wie damals üblich, hatte auch die Kreditbank kein festes Domizil, sondern wechselte ihren Standort innerhalb der Stadt mit dem jeweiligen Rendanten, in dessen Privat- oder Geschäftshaus die Bankgeschäfte abgewickelt wurden.
Als einzige Kreditgenossenschaft vor Ort konnte die Warendorfer Kreditbank schon bald auf einen stattlichen Kundenkreis blicken. 1928 gehörten ihr bereits 520 Mitglieder an, die meisten von ihnen selbstständige Handwerker. Bereits seit 1921 bestand eine Zweigstelle der Kreditbank in Freckenhorst, und 1930 kam eine weitere Filiale im wenige Kilometer entfernten Sassenberg hinzu.
Dabei bestand in Sassenberg bereits seit Juli 1896 der Sassenberger Spar- und Darlehnskassenverein. Er war ebenfalls von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Verwaltung und weniger aus der Landwirtschaft geprägt. Zum ersten Vorstandsvorsitzenden wurde der Schlossermeister Caspar zum Egen gewählt, dem Aufsichtsrat stand der Fabrikant Christian Rath vor, das Rendantenamt versah in den ersten Jahren des Bestehens der Gemeindeempfänger Josef Austermann. Die Sassenberger Zweigstelle der Kreditbank ist aber weniger als Konkurrenz zum Sassenberger Spar- und Darlehnskas-senverein gegründet worden, sondern war vielmehr eine Reaktion auf die Einrichtung einer Geschäftsstelle der Kreissparkasse Warendorf, die wenige Jahre zuvor in Sassenberg eröffnet wurde.
Auch schwere Zeiten wie zwei Weltkriege und Inflation überstand die Genossenschaftsbank dank einer starken Organisationsform, die sich aber immer wieder bewähren musste. In den Jahren nach 1945 erstreckte sich die Tätigkeit der Ahlener Kasse vor allem auf die Verwaltung der Einlagen und die Aufrechterhaltung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Der Aufschwung erfolgte erst Ende der 1950er Jahre. Im 75. Jahr ihres Bestehens konnte die Spar- und Darlehnskasse Ahlen auf eine Bilanzsumme von knapp 10 Mio. DM blicken. Auch die achtprozentige Dividende weist auf eine positive Geschäftsentwicklung hin.
Stürmische Aufwärtsentwicklung
Die folgenden Jahre waren von einer beinahe stürmischen Auf-wärtsentwicklung geprägt, begleitet von umwälzenden Entwicklungen in der Finanzwirtschaft, die sich bis in die heutige Zeit fortsetzen. Mit dem Wandel in der Wirtschaft veränderte sich die Volksbank hin zur Universalbank. Neue Bankdienste kamen hinzu, der Scheck-, Wechsel- und Überweisungsverkehr wuchs stetig, der Personalbestand wurde größer, und die Anschaffung von Maschinen für die elektronische Datenverarbeitung wurde eine Notwendigkeit.
Auch in den zurückliegenden Jahrzehnten hatte die Bank ihr Fundament weiter verbreitert und konnte mit dem damit verbundenen Zuwachs an Stärke einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Region leisten. So verschmolz die Spar- und Darlehnskasse Dolberg in 1968 mit der Spar- und Darlehnskasse Ahlen. Die Dolberger Kasse war seit ihrer Gründung im Jahr 1901 selbstständig gewesen. Auch das zweitälteste Institut unter den Vorgängerbanken der heutigen Bank, die Spar- und Darlehnskasse Drensteinfurt-Walstedde, ging 1972 in der Spar- und Darlehnskasse Ahlen auf. Schließlich erfolgte 1974 die Übernahme der Spar- und Darlehnskasse Vorhelm, die 1900 ins Leben gerufen worden war. Für die Kunden vor Ort war aber weiterhin gesorgt, denn die fusionierten Banken wurden fortan als Zweigstellen weitergeführt.
Zahlreiche Zusammenschlüsse
Auch die Spar- und Darlehnskasse Sassenberg nahm zwei kleinere Institute auf: 1970 die ebenfalls im Jahr 1896 gegründete Spar- und Darlehnskasse Milte, von der noch die ältesten Mitgliederlisten vorhanden sind, und 1977 die älteste Kasse im ehemaligen Kreis Warendorf, die Spar- und Darlehnskasse Füchtorf. Sie war ebenfalls 1884 ins Leben gerufen worden. 1980 fusionierte die Spar- und Darlehnskasse Ahlen mit der Volksbank Ahlen zur „Volksbank Ahlen“. Die Volksbanken Sassenberg und Warendorf schlossen sich 1989 zusammen. Für ein Jahr bestand die „Volksbank Sas-senberg und Warendorf eG“ mit Hauptsitz in Sassenberg. 1990 erfolgte dann die Fusion mit der Volksbank Ahlen. Das neue Institut nahm am 1. Juli 1990 seine Tätigkeit auf. Es zählte zu diesem Zeitpunkt rund 24.000 Mitglieder und eine Bilanzsumme von 700 Mio. DM.
Das breite Spektrum ihrer Dienstleistungen macht die Volksbank Ahlen-Sassenberg-Warendorf im 125. Jubiläumsjahr zu einem bedeutenden Unternehmen im heimischen Raum, zu einem wichtigen Partner der örtlichen und regionalen Wirtschaft sowie bedeutenden Faktor bei allen Geldgeschäften. Ihre in 125 Jahren gewachsene Mischung aus Tradition und Fortschritt drückt sich auch in den Entwicklungszahlen der Bank aus. Trotz der heute im Vergleich zu den Gründungsjahren großflächigen Ausdehnung ist die regionale Identität für die Volksbank ein wichtiges Element. Dies drückt sich nicht zuletzt im Engagement für Soziales, Kultur oder Sport in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde aus. Zu denken ist hier beispielsweise an die Initiative VIA – Initiative Jugendförderung zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze oder den Spenden, die die Heimat- und Sportvereine regelmäßig erhalten. Damit bleibt das traditionelle Ziel der Genossenschaften, zum Wohle der Mitglieder vor Ort tätig und so ein Teil der Gesellschaft zu sein, bewahrt.
„125 Jahre mitten im Leben. Für die Menschen in unserer Region“ – unter diesem Motto stand die „Geburtstagsfeier“ der Volksbank Ahlen-Sassenberg-Warendorf, die am 13. Februar in der Stadthalle Ahlen in einem stimmungsvollen Rahmen gefeiert wurde. Ein dichtes Programm wartete dort auf die rund 400 Mitglieder und Gäste der Volksbank. Die 125-jährige Erfolgsgeschichte der Bank ließen die beiden Bankvorstände Dieter Ritter und Paul-Ludwig Rosche Revue passieren.
Ein weiterer Höhepunkt der Festversammlung waren die Spendenübergaben an die Aktion „Lichtblicke“, die Hospizbewegung im Kreis Warendorf und den Hospizverein für die Stadt Warendorf. Das kabarettistische „Sahnehäubchen“ auf das rund dreistündige, höchst unterhaltsame Programm lieferte Christoph Brüske in seinem Parforceritt durch das aktuelle Geschehen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ab. Die Gäste honorierten das alles mit viel Beifall.
In der vom Moderator Frank Haberstroh geleiteten lockeren Interviewrunde mit Vorstand und Aufsichtsrat schilderten die Bürgermeister Benedikt Ruhmöller (Ahlen), Josef Uphoff (Sassenberg) und Jochen Walter (Warendorf) die positiven Aspekte und Perspektiven durch die Volksbank für die drei Ortsteile. Mit Blick auf die aktuellen Turbulenzen an den Märkten bezeichnete Landrat Dr. Olaf Gericke die Volks- und Raiffeisenbanken als „Gewinner der Krise“. Für die 600 genossenschaftlichen Unternehmen zwischen Porta Nigra und Porta Westfalica gratulierte Abteilungsleiter Dr. Thorsten Weiland vom Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverband (RWGV) der Jubiläumsgenossenschaft. Im Namen der WGZ-Bank in Düsseldorf wünschte Direktor Christoph Feil der Volksbank weiterhin alles Gute. Das genossenschaftliche Prinzip bewähre sich gerade jetzt mehr denn je als Erfolgsmodell, darin waren sich alle Gesprächspartner einig.
Gründungstag 17. Februar 1884
Der Kalender schrieb seit wenigen Wochen das Jahr 1884. Damals, am 17. Februar, bot das Ahlener Gesellenhaus gerade noch ausreichend Platz für die 30 Persönlichkeiten, die sich entschieden hatten, ihre Geldgeschäfte künftig selbst in die Hand zu nehmen. Sie wollten angesichts der wirtschaftlichen Not ihre eigene Bank – und sie bekamen sie: Sie gründeten den „Ahlener Spar- und Darlehnskassenverein“. Die heutige Volksbank Ahlen-Sassenberg-Warendorf war geboren.
Für den Plan, eine eigene Bank in der Rechtsform einer Genossenschaft zu gründen, gab es Vorbilder wie Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der den Genossenschaftsgedanken („Selbsthilfe, Selbstver-antwortung, Selbstverwaltung”) seit Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgreich propagierte. Am 15. Oktober 1882 hatte Raiffeisen auf Einladung des Westfälischen Bauernvereins auf dessen Generalversammlung in Münster einen Vortrag über die von ihm im Rheinland gegründeten „segensreich wirkenden“ Darlehnskassen gehalten. Raiffeisen sprach sich darin für einen möglichst kleinen Vereinsbezirk, eine unentgeltliche Verwaltung und einen Dividendenverzicht zugunsten des Vereinsvermögens aus. Der Bauernverein nahm die-se Vorschläge begeistert auf. In jedem Dorf sollte ein Spar- und Darlehnskassenverein entstehen.
Unterstützt wurde die Gründung der ersten westfälischen Genossenschaften vom Anwalt der Neuwieder Genossenschaftsorganisation, Martin Fassbender. Fassbender besuchte von Münster aus in den Jahren 1883 und 1884 zahlreiche Orte, in denen er mit den Multiplikatoren vor Ort – meist Lehrer und Geistliche – die Notwendigkeit einer Kreditgenossenschaft vor Ort besprach und Vorträge über die neue Art von Kreditinstituten hielt. Die Gründung in Ahlen war also sorgfältig vorbereitet, und genauso sorgfältig nahm die junge Vereinigung ihre Tätigkeit auf.
Kontinuität bewies der Ahlener Spar- und Darlehnskassenverein bereits in der ersten Phase seines Bestehens. Denn sein erster Rendant – so nannte man damals die Bankvorstände -, der Ahlener Industrielle Stephan Nahrath, war von der Gründung im Jahr 1884 an bis in das Jahr 1922, also über 38 Jahre, für die Geschäftsführung verantwortlich. In diesen Jahren erlebte der Spar- und Dar-lehnskassenverein trotz der politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten eine stabile und ruhige Entwicklung.
Nicht nur reine „Bauernkasse“
Das Engagement eines der führenden Ahlener Industriellen zeigt aber auch, dass die Spar- und Darlehnskassenvereine nicht nur reine „Bauernkassen“, wie umgangssprachlich heute noch zu hören, waren. Auch Arbeiter und Angestellte konnten ihre Einlagen sicher verwahren und als Mitglieder des Spar- und Darlehnskassenvereins Kredite erhalten. Dem einen oder der anderen wurde so mit einem Kredit für ein Fuhrwerk oder eine Nähmaschine auch der Weg in die ökonomische Unabhängigkeit geebnet.
Weniger als Konkurrenz denn als Ergänzung war die Gründung der Volksbank Ahlen eG im Jahr 1886 zu verstehen – ein Institut, das nach Vorstellung von Hermann Schulze-Delitzsch, neben Raiffeisen der zweite Vater des deutschen Genossenschaftswesens, vor allem die Gewerbetreibenden mit Krediten unterstützen wollte.
Auch in Warendorf war es ein Geldinstitut im Sinne von Schulze-Delitzsch, das am Anfang der Geschichte der lokalen Kreditgenossenschaften stand. Die Gewerbetreibenden erhofften sich mit der Ende 1889 gegründeten Warendorfer Kreditbank einen Aufschwung des Wirtschaftslebens, denn Handel, Gewerbe und Industrie waren in der Stadt des preußischen Landesgestüts nur bescheiden ausgeprägt.
Strenge Maßstäbe bei Kreditvergabe
Maßgeblichen Anteil am Aufbau der Warendorfer Kreditbank besaßen Bürgermeister Wilhelm Diederich, der Färbereibesitzer und Lederfabrikant Hermann Stemmer und Justizrat Julius Blumberg. Die Akten der damaligen Kreditbank bieten einen interessanten Einblick in die Verfahren zur Kreditvergabe: So wurde bereits bei Eintritt in die Genossenschaft der Kreditrahmen jedes einzelnen Mitglieds abgeschätzt, eine höhere Kreditvergabe war nicht möglich. In den Anfangsjahren wurden alle Kredite als kurzfristige Darlehen vergeben. Wie damals üblich, hatte auch die Kreditbank kein festes Domizil, sondern wechselte ihren Standort innerhalb der Stadt mit dem jeweiligen Rendanten, in dessen Privat- oder Geschäftshaus die Bankgeschäfte abgewickelt wurden.
Als einzige Kreditgenossenschaft vor Ort konnte die Warendorfer Kreditbank schon bald auf einen stattlichen Kundenkreis blicken. 1928 gehörten ihr bereits 520 Mitglieder an, die meisten von ihnen selbstständige Handwerker. Bereits seit 1921 bestand eine Zweigstelle der Kreditbank in Freckenhorst, und 1930 kam eine weitere Filiale im wenige Kilometer entfernten Sassenberg hinzu.
Dabei bestand in Sassenberg bereits seit Juli 1896 der Sassenberger Spar- und Darlehnskassenverein. Er war ebenfalls von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Verwaltung und weniger aus der Landwirtschaft geprägt. Zum ersten Vorstandsvorsitzenden wurde der Schlossermeister Caspar zum Egen gewählt, dem Aufsichtsrat stand der Fabrikant Christian Rath vor, das Rendantenamt versah in den ersten Jahren des Bestehens der Gemeindeempfänger Josef Austermann. Die Sassenberger Zweigstelle der Kreditbank ist aber weniger als Konkurrenz zum Sassenberger Spar- und Darlehnskas-senverein gegründet worden, sondern war vielmehr eine Reaktion auf die Einrichtung einer Geschäftsstelle der Kreissparkasse Warendorf, die wenige Jahre zuvor in Sassenberg eröffnet wurde.
Auch schwere Zeiten wie zwei Weltkriege und Inflation überstand die Genossenschaftsbank dank einer starken Organisationsform, die sich aber immer wieder bewähren musste. In den Jahren nach 1945 erstreckte sich die Tätigkeit der Ahlener Kasse vor allem auf die Verwaltung der Einlagen und die Aufrechterhaltung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Der Aufschwung erfolgte erst Ende der 1950er Jahre. Im 75. Jahr ihres Bestehens konnte die Spar- und Darlehnskasse Ahlen auf eine Bilanzsumme von knapp 10 Mio. DM blicken. Auch die achtprozentige Dividende weist auf eine positive Geschäftsentwicklung hin.
Stürmische Aufwärtsentwicklung
Die folgenden Jahre waren von einer beinahe stürmischen Auf-wärtsentwicklung geprägt, begleitet von umwälzenden Entwicklungen in der Finanzwirtschaft, die sich bis in die heutige Zeit fortsetzen. Mit dem Wandel in der Wirtschaft veränderte sich die Volksbank hin zur Universalbank. Neue Bankdienste kamen hinzu, der Scheck-, Wechsel- und Überweisungsverkehr wuchs stetig, der Personalbestand wurde größer, und die Anschaffung von Maschinen für die elektronische Datenverarbeitung wurde eine Notwendigkeit.
Auch in den zurückliegenden Jahrzehnten hatte die Bank ihr Fundament weiter verbreitert und konnte mit dem damit verbundenen Zuwachs an Stärke einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Region leisten. So verschmolz die Spar- und Darlehnskasse Dolberg in 1968 mit der Spar- und Darlehnskasse Ahlen. Die Dolberger Kasse war seit ihrer Gründung im Jahr 1901 selbstständig gewesen. Auch das zweitälteste Institut unter den Vorgängerbanken der heutigen Bank, die Spar- und Darlehnskasse Drensteinfurt-Walstedde, ging 1972 in der Spar- und Darlehnskasse Ahlen auf. Schließlich erfolgte 1974 die Übernahme der Spar- und Darlehnskasse Vorhelm, die 1900 ins Leben gerufen worden war. Für die Kunden vor Ort war aber weiterhin gesorgt, denn die fusionierten Banken wurden fortan als Zweigstellen weitergeführt.
Zahlreiche Zusammenschlüsse
Auch die Spar- und Darlehnskasse Sassenberg nahm zwei kleinere Institute auf: 1970 die ebenfalls im Jahr 1896 gegründete Spar- und Darlehnskasse Milte, von der noch die ältesten Mitgliederlisten vorhanden sind, und 1977 die älteste Kasse im ehemaligen Kreis Warendorf, die Spar- und Darlehnskasse Füchtorf. Sie war ebenfalls 1884 ins Leben gerufen worden. 1980 fusionierte die Spar- und Darlehnskasse Ahlen mit der Volksbank Ahlen zur „Volksbank Ahlen“. Die Volksbanken Sassenberg und Warendorf schlossen sich 1989 zusammen. Für ein Jahr bestand die „Volksbank Sas-senberg und Warendorf eG“ mit Hauptsitz in Sassenberg. 1990 erfolgte dann die Fusion mit der Volksbank Ahlen. Das neue Institut nahm am 1. Juli 1990 seine Tätigkeit auf. Es zählte zu diesem Zeitpunkt rund 24.000 Mitglieder und eine Bilanzsumme von 700 Mio. DM.
Das breite Spektrum ihrer Dienstleistungen macht die Volksbank Ahlen-Sassenberg-Warendorf im 125. Jubiläumsjahr zu einem bedeutenden Unternehmen im heimischen Raum, zu einem wichtigen Partner der örtlichen und regionalen Wirtschaft sowie bedeutenden Faktor bei allen Geldgeschäften. Ihre in 125 Jahren gewachsene Mischung aus Tradition und Fortschritt drückt sich auch in den Entwicklungszahlen der Bank aus. Trotz der heute im Vergleich zu den Gründungsjahren großflächigen Ausdehnung ist die regionale Identität für die Volksbank ein wichtiges Element. Dies drückt sich nicht zuletzt im Engagement für Soziales, Kultur oder Sport in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde aus. Zu denken ist hier beispielsweise an die Initiative VIA – Initiative Jugendförderung zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze oder den Spenden, die die Heimat- und Sportvereine regelmäßig erhalten. Damit bleibt das traditionelle Ziel der Genossenschaften, zum Wohle der Mitglieder vor Ort tätig und so ein Teil der Gesellschaft zu sein, bewahrt.
